Warum positives Denken nicht funktioniert

13.8.26

„Denk einfach positiv!“ Diesen Satz hören wir häufig, wenn wir etwas in unserem Leben verändern möchten. Wir wollen fitter werden, gesünder leben, weniger Stress haben oder beruflich etwas verändern – und versuchen deshalb, unsere Gedanken auf das Positive zu richten.

Das Problem: Positives Denken allein reicht meistens nicht aus. Denn unser Verhalten wird nicht ausschließlich durch bewusste Entscheidungen gesteuert. Ein großer Teil unseres Alltags besteht aus Routinen, Gewohnheiten und automatisierten Reaktionen.

Unser Gehirn liebt Gewohnheiten

Was wir häufig tun, wird mit der Zeit vertraut und leichter. Wir müssen dann nicht jedes Mal bewusst darüber nachdenken. Das ist praktisch: Wir müssen beispielsweise nicht jeden Morgen neu überlegen, wie Zähneputzen funktioniert oder wie wir Fahrrad fahren. Dasselbe Prinzip gilt aber leider auch für weniger hilfreiche Gewohnheiten.

Vielleicht denken wir morgens automatisch: „Ohne Kaffee bin ich nicht zu gebrauchen.“ Oder wir reagieren auf eine E-Mail vom Chef sofort mit Anspannung. Vielleicht greifen wir nach einem stressigen Arbeitstag automatisch zu Süßigkeiten oder setzen uns aufs Sofa, obwohl wir eigentlich Sport machen wollten. Solche Abläufe sind nicht zufällig. Sie entstehen durch Wiederholung.

Warum gute Vorsätze oft nicht ausreichen

Genau hier stößt positives Denken an seine Grenzen. Wir können uns vornehmen: „Heute bleibe ich ganz ruhig.“ Wenn wir dann aber in eine vertraute Stresssituation geraten, reagiert unser Körper möglicherweise wieder wie gewohnt. Während unser bewusster Wille sagt: „Ich möchte etwas verändern.“, sagt das bisher eingeübte Muster: „Ich kenne es nicht anders, wir machen es lieber wie immer.“ Und gerade bei lang eingeübten Gewohnheiten gewinnt zunächst häufig das Vertraute.

Der innere Schweinehund

Wir nennen diese Erfahrung oft den „inneren Schweinehund“. Er sagt sowas wie: „Morgen reicht auch.“, „Heute war ein langer Tag.“ oder „Lass es lieber, das bringt doch sowieso nichts.“ Dieser innere Widerstand zeigt, wie stark vertraute Muster sein können, und dass alles Neue zunächst ungewohnt ist – Veränderung bedeutet schließlich, etwas Neues zu tun. Und das ist oft auch unbequem.

Auch Stress hält alte Muster aufrecht

Stress verstärkt diesen Effekt. Eine Stressreaktion ist grundsätzlich sinnvoll, denn Sie hilft uns, schnell auf Herausforderungen zu reagieren. Schwieriger wird es, wenn Anspannung zum Dauerzustand wird. Dann kann sich ein Muster entwickeln, bei dem wir ständig auf das nächste Problem reagieren, gedanklich nicht abschalten können und selbst in ruhigen Situationen angespannt bleiben. So kann es zur Gewohnheit werden, im Ungleichgewicht zu sein.

Veränderung beginnt mit Wahrnehmung

Deshalb beginnt nachhaltige Veränderung nicht unbedingt mit einem positiven Satz. Sie beginnt vielmehr damit, die eigenen Muster wahrzunehmen:

  • Welche Situationen lösen bei mir bestimmte Reaktionen aus?
  • Welche Gedanken tauchen immer wieder auf?
  • Was tue ich automatisch?
  • Und welche Reaktion würde ich eigentlich gerne verändern?

Denn in dem Moment, in dem wir ein automatisches Muster erkennen, entsteht plötzlich eine Wahl: Wir haben die Möglichkeit, anders zu reagieren.

Wie das funktionieren kann, erfahren Sie im zweiten Teil.

Über Nutrinia

Nutrinia ist die Ernährungsberatung und psychologische Beratung im Main-Taunus-Kreis und für die Umgebung rund um Frankfurt und Wiesbaden: Hofheim, Eppstein, Kriftel, Hattersheim, Kelkheim, Niedernhausen, Liederbach, Idstein, Rüsselsheim.